• Verena

Emotionen, die Antreiber meiner Lernreise


Vielen Dank an Gerald Gellinger (gellinger) auf Pixabay für das Bild!


Es gab eine Zeit in meiner beruflichen Laufbahn, in der ich wegen Kleinigkeiten sehr emotional wurde. Jemand kritisierte z.B. mein Arbeitsergebnis - ich hatte Tränen in den Augen. Jemand hat bestimmte Vorkommnisse im Team hinterfragt - ich habe es auf mich bezogen und bin wütend geworden. Und das sind nur zwei kleine Beispiele.


Hätte ich so ein Verhalten bei anderen beobachtet, hätte ich mir gedacht "Mensch, ist der oder die unprofessionell". Unbewusst hatte ich wahrscheinlich auch genau dieses Mentale Modell von mir selbst im Kopf. "Kann ich mich denn nicht mal in der Arbeit zusammenreißen und professioneller mit solchen Situationen umgehen?"


Heute sehe ich die Situationen etwas anders und vor allem im Kontext der damaligen Veränderungen. Ich war in einem riesigen persönlichen Entwicklungsprozess. Alles hatte sich in meinem Leben verändert. Nach 12 Jahren in einem Unternehmen habe ich eine Komfortzone verlassen und habe mich auf neue Wege gewagt, aber das war nur ein Teil der Wahrheit. Nach 28 Jahren habe ich mein persönliches Umfeld langfristig verlassen und bin in eine mir unbekannte Stadt gezogen. Kein Freundeskreis mehr nebenan, keine Familie mehr sofort greifbar - alles Komfortzonen, die ich verließ. Ich bin außerdem zeitgleich mit meinem Mann zusammengezogen - eine völlige Veränderung nach 2 Jahren Wochenend-Beziehung. Trotzdem kam ich nicht auf die Idee, dass die Emotionalität in der Arbeit mit der Gesamt-Veränderung - auch der im privaten Umfeld zu tun haben könnte. Ich habe jeden Bereich separat betrachtet.


Die Entwicklung, dass der Mensch als Ganzes auch im Business-Kontext mehr Anklang findet, gefällt mir sehr gut. Ich lese mit Freude Bücher wie "Das Manifest für menschliche Führung" von Marcus Raitner und bin zuversichtlich. Denn, was aus meiner Sicht viele Arbeitgeber immer noch unterschätzen ist die Wichtigkeit der Menschlichkeit. Zumindest in der alten Denke - die es nach meiner Erfahrung in der realen Welt jenseits von schicken Kongressen und Vorträgen zum Thema neue Arbeitswelten & Digitalisierung noch sehr häufig gibt - ist zwar der Wille da. Aber irgendwann kommt dann doch immer das Mentale Modell eines pragmatischen Mittelstands durch: "Das ist ja jetzt alles schön und gut, dass unsere Leute über Ihre Gefühle reden können und so, aber was bringt das jetzt fürs Geschäft?".


Mir gefällt es, dass ich bei uns im Unternehmen (www.strasser-strasser.de) lernen durfte, dass der Satz "Störungen haben Vorrang" Gesetz ist. Und dass dies die Entwicklung eines jeden Mitarbeitenden fördert - und somit auch langfristig was mit der Unternehmenskultur macht und entscheidend zum Unternehmenserfolg beiträgt.


Aber wieder zu meinem persönlichen Lernprozess. Heute weiß ich, dass es sich nie unbedingt schön anfühlt, wenn man die eigene Komfortzone verlässt und vom "Expertenstatus" in einem Bereich in den "Beginner-Status" eines anderen Bereichs wechselt... Jeder kennt die Information auf Verstandesebene: "Na, da muss man halt die Komfortzone verlassen". Aber wie es sich anfühlt, das muss man selbst erleben. Für mich war das damals neu. Seitdem ist bei mir ständig etwas im Wandel. Die gute Nachricht aus meiner Sicht ist nämlich: wenn sich ständig etwas ändert, passiert dieser beschriebene Prozess auch ständig. Und irgendwann hat man zwar eine Art Lampenfieber, wenn man wieder mal auf der Beginner-Ebene startet, aber man hat auch ein zuversichtliches Grundvertrauen in sich selbst, dass man das schon lernen wird. Man hat gelernt, lebenslang zu lernen.


Und noch etwas, das ich klasse finde: seit ich meine Emotionen als wichtige Informationen einstufe und sie ernst nehme, kann ich viel besser damit umgehen. Denn wenn ich bei einer Emotion sofort annehme, dass diese wichtig und richtig ist, kann ich hinter die Fassade schauen. Wenn ich sie bagatellisiere und mich selbst dafür verurteile, finde ich vielleicht nie raus, was ich eigentlich hätte lernen können. Und das wäre ja quasi Sabotage der eigenen Entwicklung.


"Emotions are just informations but they are very important ones!"


Leider weiß ich nicht, von wem dieser Satz ursprünglich kommt. Ich kenne ihn von Dr. Eva Strasser, meiner Chefin. Sie kennt ihn sinngemäß von Ed Nevis. Falls jemand den Urheber weiß, lerne ich hier gerne! ;)

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