Lernen in Unternehmen ent-mystifizieren!

Weil präventives Lernen als Mehraufwand gesehen wird, sollten wir konkrete Alltagssituationen nutzen, um uns weiterzuentwickeln.

Vielen Dank an RyanMcGuire auf Pixabay für das Bild!

Heute hatte ich die Freude bei einem Clubhouse Mittagstalk mit dabei zu sein, der sich mit dem Thema "Die lernende Organisation" beschäftigte. Die lernende Organisation nach Peter Senge ist eines meiner Lieblingsmodelle, die mein Leben und Lernen nachhaltig beeinflusst (mehr zur learning organization).


Nach meiner Erfahrung, gelingt es den wenigsten Unternehmen eine offene Lernkultur langfristig und vor allem organisational zu integrieren. Wenn es überhaupt gelingt, dann meist sehr abhängig von der Führungskraft, die den Raum dafür öffnet. Das bedeutet aber auch, wenn die Führungskraft geht, ist die Kultur damit auch weg.


Meine Hypothese dazu ist, dass eine offene Lernkultur eine Haltungsfrage in der Mitarbeiterschaft ist. Haltung wiederum kann man a) natürlich nicht anordnen und b) muss man diese lernen/üben, damit sie nachhaltig in die DNA übergeht und "normal" wird. Denn nur wenn das Umfeld sich mit verändert, werden die Veränderungen langfristig übernommen. Und da sind wir wieder am Anfang. Eigentlich muss also das Lernen an sich im Team gelernt bzw. geübt werden.


Folgende zwei pragmatischen Ansätze für echte leader, die in ihren Teams eine offene Lernhaltung üben und nachhaltig integrieren wollen haben sich in meiner Praxis bewährt:

  1. Erkenne Lernchancen in der Praxis Was nichts kostet, ist oft nichts wert. Nur so kann ich mir erklären, dass so wenig Führungskräfte die täglichen Challenges im Berufsalltag als Lernchancen für ihre Teams nutzen. Hier ist vor allem die Reflexion eines der am wenigsten berücksichtigten Mittel. Für uns haben sich in Projekten z.B. regelmäßige Reflexionsmeetings bewährt, in denen wir konkret auf die Woche zurückblicken und reflektieren. Was lief gut, was weniger und was haben wir gelernt und machen wir deshalb nächste Woche anders? Dieses Format integriert die regelmäßige Reflexion so sehr in die Routine, dass irgendwann die Lernhaltung die damit geübt wird zur Normalität wird. Man reflektiert dann ganz automatisch. Vorsicht: Unterschätzt dabei nicht die Feedback-Kultur. Seid Ihr ein Team, in dem Harmonie groß geschrieben wird und konstruktives Feedback eher als störender Faktor empfunden wird? Oder wird es schnell politisch? Diese und viele weitere Stolpersteine treten in der Praxis beim reflektieren auf. Darum: üben, üben, üben und selbstkritisch auch diese Muster reflektieren. ;)

  2. Mache nicht noch mehr, sondern probiere die Dinge, die Du tust mal anders Für meine Arbeit hat es sich sehr bewährt, die Führungskräfte für die Idee zu gewinnen, dass sie mit ihren Teams nicht zusätzlich Neue Tools etablieren müssen, sondern dass sie Dinge die sie sowieso tun mal anders probieren. Ihr macht regelmäßige Teammeetings und die sind nicht zielführend? Vielleicht liegt es daran, dass Ihr unterschiedliche Erwartungshaltungen habt, oder unterschiedliche Prioritäten. Das könnt Ihr z.B. lösen, indem Ihr eine Einstiegsrunde macht und die verschiedenen Erwartungen und/oder Prioritäten benennt und dann im Team entscheidet, was in dem Meeting deshalb besprochen wird. Sonst besteht z.B. die Gefahr, dass Ihr einander nicht zuhört, weil jeder eine andere Priorität hat und das eigene Thema eigentlich viel dringender besprechen will. Auch das hat etwas mit Offenheit und Teamarbeit zu tun. Vorsicht: Ändert nicht zu viel auf einmal. Kleine Anpassungen oder Versuche lösen erfahrungsgemäß Interesse und Experimentierfreude im vielen Teams aus. Zu viele Veränderungen zu schnell hintereinander werden schnell als Herausforderung gesehen und im schlimmsten Fall nicht mehr ernstgenommen, weil sich "ständig etwas verändert".

Viel Spaß beim Ausprobieren & Teamlernen



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